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Filzwalker - Bruno


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Bücher

Bruno Bujack:
Wolle tut gut! Ein modernes Referat zu einem uralten Material.
Gehalten bei der 9. deutschsprachige Filzbegegnung auf Burg Wildenstein. Kurzfassung!

Back to the roots, zu den Wurzel zurück

das gilt auch für die Wolle, ich empfind dies als Glück

denn Wolle tut gut, wollt Ihr wissen warum?

Ich sag es Euch gerne, wer nicht zuhört, bleibt dumm.

Oder wisst Ihr, warum die Wolle uns nützt?

Wie sie gegen Kälte und Wärme uns schützt?

Wie sie die wichtige Hautatmung stützt?

Heilende Filze hat István genannt.

Ach längst noch ist nicht alles bekannt!

Auch wenn die Wissenschaft ihr möglichstes tut!

Eins galt schon immer: WOLLE TUT GUT!

Nun zum Thema:

ich nannte es "ein modernes Referat zu einem uralten Material" und wahrlich, selten stimmt ein Begriff so genau wie in diesem Falle. Die Entwicklungsgeschichte der Haare beginnt vor etwa 60 bis 70 Millionen Jahren; einer ungeheuer langen Zeit.

Bis dahin gab es nur wechselwarme Lebewesen, deren Körpertemperatur sich ständig der Umgebung anpassen musste (heute noch bei Fischen, Fröschen, Lurchen, Echsen). Die Entwicklung warmblütiger Tiere, deren Körpertemperatur konstant und ziemlich hoch ist (notwendig für leistungsfähige Nervensysteme und Gehirne) machte eine wirksame Isolierung der Körperoberfläche notwendig.

Hierzu entwickelten sich bei den pelztragenden Tieren, vor allem den Säugetieren, das Haarkleid. Dieses setzt sich aus mehreren Haartypen zusammen. Die Deck- oder Grannenhaare schützen gegen Wind und Regen, die darunterliegenden Wollhaare bilden die Klimazone, also die Isolierschicht gegen Kälte aber auch Hitze. Doch es gilt ja nicht nur zu isolieren sondern auch zu kühlen. Das ist nun ein wirklich komplizierter physikalischer Vorgang, der vor allem durch den Austritt und die Verdunstung von Wasser geschieht. Der Temperaturausgleich (die Thermoregulation) ist ein wirksames Wechselspiel zwischen Energieaufnahme, Wasseraufnahme, Wärmeerzeugung durch Oxydation (Verbrennung) und Kühlung. Im (Original)Referat werden die Vorgänge im einzelnen vorgestellt und erklärt.

Die Haare und ganz besonders die Wollhaare spielen dabei eine ganz besonders wichtige Rolle. Dazu haben wir sie uns (im Original-Referat) erst einmal etwas genauer angeschaut. Sie sind sehr kompliziert und vielschichtig aufgebaut. Wichtig ist dabei die Oberfläche (Cuticula). Sie besteht aus vielen kleinen, schindelförmig angeordneten Schuppen. Diese umgeben (durch eine spezielle Schicht, die Zwischenmembran, vom Kern getrennt) den aus vielen kleinen, spindelförmigen Körperchen gebildeten Kern (Cortex). Die Schuppen bestehen aus drei Schichten; innen die weiche und wasseraufnehmende Endocuticula, darüber die feste und härtere Exocuticula und ganz außen die absolut wasserdichte Epicuticula.

Im trockenen Zustand liegen die Schuppen ganz dicht am Faserstamm an. Dieser weist Wasser ab (hydrophob). Die Epicuticula ist zwar wasserdicht, lässt jedoch gasförmige Stoffe - und damit Dampf - durchdringen.
Sobald das Lebewesen (egal ob Tier oder Mensch) schwitzt, tritt Wasser aus speziellen Schweißdrüsen aus der Haut aus, diese wird nass. Die Wärme der Haut lässt das Wasser verdunsten (Dampfbildung). Die dazu benötigte Verdunstungsenergie wird der Haut entnommen, diese also gekühlt.

Der entstehende Wasserdampf verflüchtigt sich, wenn keine Isolierschicht die Haut umgibt. Sind jedoch Haare oder - bei der Kleidung - andere Faserstoffe dort, so dringt der Dampf, der nun schnell wieder zu Wasser kondensiert, in diese Fasern ein. Bei Wolle durchdringt der Dampf die Epicuticula, dringt in das Faserinnere ein, kondensiert zu Wasser und wird vom Cortex, der Zwischenmembran und der Endocuticula chemisch (wenn auch sehr labil) gebunden. Wolle kann so bis zu einem Drittel ihres Gewichtes an Wasser aufnehmen ohne wirklich nass zu werden. Pflanzliche Stoffe können das nicht, sie werden nass. Diese Eigenschaft hat nur Wolle.
Außerdem transportiert Wolle kein Wasser. Durch ihre wasserabweisende Eigenschaft (Hydrophobie) bleibt das Wasser, das aus der Haut austritt, dort wo es hingehört und durch die Verdampfung kühlen soll. Baumwolle oder Leinen dagegen transportieren den Schweiß sofort von der Hautoberfläche weg.

Bei von außen eindringendem Wasser (Regen) bleibt das Wasser bei Wolle draußen, dringt jedoch bei pflanzlichen Fasern durch bis auf die Haut. Es sei denn sie sind speziell imprägniert.
Diese Kombination aus Isolierung und Wasseraufnahme sowie das wasserabweisende der Wolle macht diese Faser so außergewöhnlich wertvoll. Und eigentlich ist dies auch klar, die Natur hat einige Millionen Jahre daran entwickelt. Gäbe es etwas besseres, so hätten die Lebewesen, die darauf angewiesen sind das auch.
Im Referat wird zudem auf die feuerhemmende Eigenschaft ebenso hingewiesen wie auf die besonderen Fähigkeiten Giftstoffe zu absorbieren, über die ich in früheren Artikeln (der Zeitschrift FuN) berichtet habe.