Schaflogo
Filzwalker - Bruno

Startseite

Zur Person

Die Filzwalker

Der Handwerker

Der Forscher

Der Ausbilder

Der Autor

Der Verlag

Die Bücher

Aktuelle Informationen

Meine Partner und Freunde, Portal mit Links zu vielen Webseiten

Infos über Änderungen


Impressum

Verbindungen zu allen Seiten erhalten Sie mit einem Klick auf die entsprechende Überschrift in der linken grünen Spalte.

Der Forschende und Suchende

Jeder, der/die sich mit einem neuen Beruf oder Hobby auseinander setzt, sucht nach Anleitungen, Hilfen, Anregungen und Austausch mit Erfahreneren. Ist dieses "Neue" jedoch insgesamt "neu", gibt es (zumindest im erreichbaren Umfeld) keine oder nur wenige Menschen (denen es dann meist genau so geht), die sich damit auseinandersetzen, dann lässt man es entweder wieder sein oder man begibt sich auf die Suche, forscht, probiert aus und baut sich so ganz langsam seine eigene Erfahrung auf.
So ging es auch bei den "Filzwalkern". Literatur fanden wir (Mitte der 80er) nur ganz spärlich, erfahrene FilzmacherInnen noch weniger. Also blieb uns nur der Weg über das eigene Experimentieren. Hilfe fanden wir zum Teil in Reiseliteratur aus dem zentralasiatischen Raum.

Während Gisela und bald auch Ulf den Weg über das praktische Tun gingen, suchte ich darüber hinaus nach Zusammenhängen sowohl praktischer als auch theoretischer Natur.

Die ersten Schritte, die uns in die Beschäftigung mit dem handgewalkten Wollfilz führten, basierten auf einem kleinen Arbeitsheft von Marlie Claessen, welches von der Firma Louet in den Niederlanden herausgegeben wird. Übrigens ist es immer noch zu bekommen.

Die dort beschriebenen Arbeitweisen basieren auf denen der zentralasiatischen Nomadenvölker. Also suchten wir dort weiter und fanden Bücher über das Leben der Kirgisen oder der Mongolen, Reiseberichte von Sven Hedin usw. Über den Filz wurde wenig berichtet. Zwar spielten die Jurten (Nomadenzelte aus Filz) in allen Berichten eine gewisse Rolle, doch nur in einem Buch waren sie auch genau beschrieben.

Neben Gebrauchsgegenständen (Bälle, Hüte, Hausschuhe, Westen....) war der Selbstbau einer Jurte das erste größere Ziel und gleich eine Herausforderung. Es entstand zwar nur ein Modell im Maßstab 1 : 3, aber alles war selbst gemacht. Und zwar original im System der Kirgisen.

Das Suchen und Nachempfinden traditioneller Techniken war aber nur die eine Seite. Hinzu kam für mich immer wieder die Frage nach dem WARUM. Was passiert da eigentlich?
Also, ran an die Wolle: welche Eigenschaften hat sie? woraus besteht sie? wie ist sie aufgebaut? warum ist sie so wie sie ist? Welche biologischen Zweck soll sie erfüllen? Wie verhält sie sich bei unterschiedlichen Bedingungen (Wärme, Nässe, Trockenheit,) wie reagiert sie chemisch auf verschiedene Einflüsse?
Dann die Analyse der Verfahrensweisen bei der Herstellung von Filz: Wie machen es die traditionellen Filzmacher? wie arbeiteten die westeuropäischen Filz- und Hutmacher? wie macht es die moderne Filzindustrie? Und vor allem immer wieder: WARUM??
Viele Stunden des Studiums der vorhandenen Literatur (vor allem Fachbücher aus dem textilen Bereich) und viele, viele Stunden in der Werkstatt mit Versuchen, Vergleichen, Testen. Welche Wollsorten gibt es? Wie unterscheiden sie sich? Welche Wolle eignet sich für welchen Filz? Wie baut man die Wollschichten am günstigsten auf? Wie müssen bei Hohlteilen die Schablonen beschaffen sein?
Ja, die Schablonen, später runde, räumliche Körper flächig darstellen, das ist schon eine Herausforderung an einen Techniker. Das ist oft reine Geometrie.
Dann der Filzvorgang selbst. Was passiert da? Wie kann ich das, was da passiert beeinflussen, steuern? Welche Walktechniken gibt es, wann wende ich welche an?
Fragen, Fragen, Fragen und so wenig Antworten.
Was bleibt da anderes übrig, als selbst zu forschen und zu suchen? Nun ja, auch das kann zur Leidenschaft werden!