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Filzwalker - Bruno


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Während der 11. deutschsprachigen Filzbegegnung kam es zur Diskussion über den Einsatz von Mikrowellengeräten bei der Filzherstellung.

Zwischenzeitlich habe ich mich damit befasst und einen entsprechenden Artikel in mein (entstehendes) Buch eingefügt.

Die entsprechende Seite finden interessierte FilzmacherInnen als Vorabdruck hier:

 

Eine interssante weitere Methode, Wasser zu erhitzen und Dampf zu erzeugen kommt in allerjüngster Zeit hinzu. Sie gehört absolut nicht zu den traditionellen Verfahren, hat aber ihren eigenen Reiz.
Der Einsatz von Mikrowellen.
Jeder kennt mittlerweile den Einsatz von Mikrowellen bei der täglichen Zubereitung oder Aufbereitung von Speisen. Wärme ist ja Bewegung. Mit Mikrowellen wird intensiv sehr kurzwellig Bewegung in das Gut gebracht. Dabei erwärmt sich dieses.
Wir können auf diese Weise Wasser zum Kochen und damit zum Verdampfen bringen.
Bringen wir nasse Wolle in einen Mikrowellenherd so können wir das darin befindliche Wasser erhitzen. Und zwar bis über den Dampfpunkt hinaus. Dieser Dampf wird unmittelbar von den Wollfasern aufgenommen und absorbiert. Die Wolle wird filzwillig.
Wir können auch jederzeit feuchte Wolle auf diese Weise erwärmen ohne erneut über den Dampfpunkt hinaus zu kommen. Da Wärme die Wolle weich und geschmeidig macht, kann dies bei sehr harten Wollsorten den Walkprozess erleichtern.
Bei feinen Wollsorten ist dies nicht zu empfehlen. Ab etwa 70°C wird Wolle mechanisch instabil. Da beim Walken große Kräfte auf die Fasern einwirken, können feine Fasern leicht beschädigt werden oder gar zerreißen.
Und genau da liegt das Risiko beim Einsatz von Mikrowellen: die genaue Temperatursteuerung und -kontrolle. Ganz schnell sind wir in kritischen Bereichen ohne es zu bemerken.
Eine Gefahr durch die elektromagnetisch erzeugten Wellen besteht weder für die Wolle noch für den späteren Nutzer dieses Filzes.

Elektromagnetische Wellen, wie wir sie in großem Umfang um uns herum zunehmend inkauf nehmen (zB. Handys) sind für die einfachen Eiweißstrukturen der Wolle nicht kritisch.
Die meisten Mikrowellengeräte werden über die eingesetzte Arbeitsenergie (Wattzahl) und die Zeit der Einwirkung gesteuert. Selten oder nie können wir die erreichten Temperaturen ablesen oder erkennen.
Genau wie bei der Zubereitung oder Erwärmung von Speisen müssen wir eigene Erfahrungen entwickeln.
Das geht nur über lange Testreihen und genauer Temperaturkontrolle. Die eingesetzte Wollmenge, die Wassermenge und die vorher vorhandene Temperatur wirken sich unmittelbar aus. Wer viel mit Mikrowellengeräten arbeitet, kennt das. Nur für die Wollerwärmung und Dampfbildung gibt es bisher wenig Erfahrungen. Ich rate zur Vorsicht und Umsicht.
Ob sich der Aufwand (die Energie ist recht teuer, da nur mit elektrischem Strom gearbeitet werden kann) letztlich lohnt ist fraglich. Die einzubringenden Wollmengen und Filzteilgrößen sind sehr beschränkt.
Rein physikalisch spricht (entsprechende Umsicht vorausgesetzt) nichts gegen diese Methode. Solange die Temperaturen während der Dampfbildung nicht zu weit über 100°C steigen und vor dem Walken auf max. 50°C zurück gekühlt und während der Arbeit gehalten werden, passiert der Wolle nichts.
Höhere Temperaturen verbieten sich bei der Arbeit mit den Händen ohne Schutzkleidung sowieso.
Schwierig ist der Zusatz von Walkmitteln z.B. Seife, Säure oder neutrale Tenside. Ich rate dazu, diese erst nach der Erwärmung außerhalb des Gerätes zuzusetzen. Nicht alle Mittel vertragen hohe Temperaturen.
Mit traditionellen Methoden hat dies nun wirklich nichts mehr gemeinsam. Aber so geht die Zeit halt weiter. Im industriellen Bereich hat man solche Versuche, soweit ich weiß, noch nicht gemacht. Wahrscheinlich lohnt sich der Aufwand nicht.
Wer gerne experimentiert und neue Wege sucht, kann es ja mal probieren!!